ISBB Trebel                

Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter

                                   

 

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Berufsbegleitendes Praktikum

als Fortbildung

Angebot für behinderte und nichtbehinderte Interessierte

(Bianca Grafe hat die Ausbildung zur Sexualberatung schon erfolgreich absolviert und schrieb ein Plädoyer zur Teilnahme!)



Sexualberatung für behinderte Menschen sollte so selbstverständlich sein wie das entsprechende Angebot für Nichtbehinderte. Ist es aber nicht. Das liegt sicherlich daran, dass behinderte Menschen bisher nicht als sexuelle Wesen gedacht werden konnten. Das ändert sich zurzeit.

Dennoch sind in den Institutionen der Behindertenarbeit nur wenige MitarbeiterInnen bereit, sich den Anforderungen einer modernen, ganzheitlichen Pädagogik zu stellen. Sie agieren oft allein und gegen die ängstliche Zurückhaltung des übrigen Teams. Sie sollen mit unserem Angebot gestärkt werden. Nicht gegen die Wächter der „schlafenden Hunde“ sondern auch zu deren Beratung.

Fortbildung und Supervision werden im ISBB kombiniert, hier vorwiegend im 1:1 Unterricht. Supervisionen und Beratungshospitationen dienen der Fortbildung. Praktikantinnen und Praktikanten profitieren dabei von der Vielzahl der Beratungen für Behinderte im ISBB.

"Behindert" nennen wir die Menschen, die körperlich, geistig oder psychisch dauerhaft eingeschränkt sind und aus solchen Gründen unter Aussonderungsdruck geraten. Behinderung ist also ein Ergebnis von Kommunikation, das die individuelle Identität genauso prägt wie kulturelle Rollenfestlegungen. 

Unser Fortbildungsangebot richtet sich an behinderte und nichtbehinderte Menschen, die beruflich engagiert sind oder ein solches Engagement anstreben. Wer über keine aktuellen beruflichen Erfahrungen verfügt, die supervidiert werden könnten, bekommt von uns praktische Einsätze im ISBB organisiert, was aber eine erhöhte Anwesenheit in Trebel notwendig macht.

Das ISBB arbeitet für diese Weiterbildung mit dem Berliner Familienplanungszentrum BALANCE zusammen.

Die Fortbildung dient:

1. der Einübung einer Beratungsmethode, die die Arbeit mit behinderten Menschen effektiv macht: Die
"Kontrollierte intuitive Intervention",

2. der Einübung einer Beratungsmethode, die die Arbeit mit Teams der Behindertenarbeit innerhalb und außerhalb von Einrichtungen fördert,

3. der Aneignung von notwendigen Inhalten zu den Themen Sexualität und Partnerschaft behinderter Menschen.

Die Auszubildenden und die durch sie zu beratenden Personen sollen auf dem Weg unterstützt werden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen bzw. zu fördern, auch wenn es um die Themen Sexualität, Erotik, Partnerschaft und Familienplanung geht.

Praktikumsanleiter und Ausbilder ist Dipl.-Psych. Lothar Sandfort

Soweit die Weiterbildung im Familienplanungszentrum BALANCE stattfindet, bilden die dort Mitarbeitenden aus.

Die Fortbildung setzt sich zusammen aus:

1. der Teilnahme an Einzelunterrichtungen und berufsbegleitender Supervision im Gäste- und Tagungshaus Nemitzer Heide in Trebel und im ISBB-Büro in Berlin,

2. dem Studium von Fachliteratur und einer begleiteten Hausarbeit daraus,

3. den eigenen aktiven Beratungen im späterem Fortbildungs-Stadium,

4. den Hospitationen. Die schriftliche Dokumentation einer dieser Hospitationen ist Pflichtbestandteil der Fortbildung, mehrere sind möglich,

5. dem Studium von Fachliteratur zu dem Thema "Schwangerschaftsverhütung" und dem Thema "Prävention von Geschlechtskrankheiten",

6. einer ein- bis zweitägigen Hospitation im Familienplanungszentrum BALANCE in Berlin.
 

Grundzüge der zu vermittelnden Beratungsmethode

Die Fortbildung schafft Expertinnen und Experten, die in der Lage sind, nach einigen Beratungsstunden erkennen zu können, wie das vorgestellte und Probleme erzeugende System in seinen Grundzügen funktioniert.

Mit „System“ ist zum Beispiel die individuelle Seele gemeint mit deren unterscheidbaren Interessen, Tendenzen und Regeln. Systeme sind aber auch Gruppen eines Wohnheimes oder ganze Werkstätten. All das sind Regelsysteme, deren Funktionieren sich in Verhalten erkennen lässt. 

Systeme bewältigen die Vielfalt der Entwicklungsmöglichkeiten von Welt, indem sie typische Geschichten ausbilden. Das Wort „Geschichte“ drückt sehr passend Schichten in zeitlicher Entwicklung aus. 

Die Geschichten begegnen uns durch verbales und non-verbales Verhalten. So wichtig wie sprachliche Kommunikation sind uns dabei bewusste und unbewusste Lebensgestaltungen, also das, was der Mensch konkret tut.  

Die Teilnehmenden lernen

-          selektiv wahrzunehmen, zum Beispiel Bilder innerhalb der Sprache zu hören,

-          eine Lebensgeschichte in ihrem seelischen Funktionieren zu erfassen,

-          Probleme als Lösungsversuche der Seele zu verstehen,

-          Krisen als Lernfelder zu nutzen,

-          hilfreiche Fragen zu stellen,

-          Geschichten umzudeuten und dadurch mitzuschreiben. 

 

Dazu wird in der Fortbildung die Methode der zeitlich begrenzten Intensivberatung eingeübt, die sowohl für den einzelnen Ratsuchenden angeboten werden kann, als auch für große Gruppen von behinderten Menschen oder MitarbeiterInnen in Einrichtungen der Behindertenarbeit. Wir nennen diese Methode "Kontrollierte intuitive Intervention". 

Unsere Beraterinnen und Berater sollen diese Methode in eigenen Veranstaltungen anderen Systemen für deren Lebens- und Arbeitsalltag anbieten können. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die beruflichen Grundbildungen etwa von Einrichtungspersonal sehr unterschiedlich sind. Wir vermitteln also eine Methode, die sowohl akademisch ausgebildete Menschen weiterbildet als auch MitarbeiterInnen ganz ohne spezielle Vorbildung. Aus gleichem Grund können von dieser hier ausgeschriebenen Fortbildung auch TeilnehmerInnen mit ganz unterschiedlichen Vorerfahrungen  profitieren. 

Das ISBB kann durch seine eigenen vielfältigen Beratungen einen hohen Praxisanteil innerhalb der Fortbildung anbieten. Die Teilnehmenden müssen mindestens eine Beratungsstunde von Dipl.-Psych. Lothar Sandfort aufnehmen (Audio), auswerten. Sie können freiwillig mehrere Beratungen in dieser Form bearbeiten und damit die zertifizierte Zahl ihrer Fortbildungsstunden erhöhen.  

Prinzipiell ist unsere Beratungsmethode geeignet, Probleme aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen aufzulösen. In dieser hier vorliegenden Fortbildungs-Ausschreibung geht es um die Lebensbereiche von Partnerschaft und Sexualität. Wir erlernen also eine Grundsatzmethode an einem Spezialgebiet zum Nutzen des Spezialgebietes.

Dabei werden Elemente der systemischen Auffassung, der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie miteinander verwoben. 

Schwerpunkt der Methode ist die Unterstützung von Menschen mit kognitiven Einschränkungen, wobei die Abgrenzung nicht mit der klassischen Definition „geistigbehindert“ gleichzusetzen ist. 

 

Einzelaspekte der Fortbildung beantworten folgende Themen: 

Von welcher  Lebensentwicklung menschlicher Sexualität geht das ISBB aus? Welche Besonderheiten ergeben sich bei unterschiedlichen Einschränkungen?

Wie entsteht und verändert sich Identität?

Welche Aufgaben hat die Seele und wie funktioniert sie in den Grundzügen?

Wie entsteht die individuelle Lebensgeschichte?

Welche Herausforderungen stellen geistige bzw. körperliche Einschränkungen und wie entsteht daraus Behinderung? („Behindert ist man nicht, behindert wird man!“)

Welche Wahrnehmungen von Behinderung gibt es in unserer Kultur und was bedeutet das für behinderte Menschen?

Was bedeuten Partnerschaft und Sexualität in der Auffassung des ISBB?

Wie kann ich wo mit der „Kontrollierten intuitiven Intervention“ arbeiten?

Wie arbeite ich mit einzelnen Ratsuchenden, wie mit Familien, wie mit Paaren, wie mit Teams der Behindertenarbeit?

Was bedeutet die Gender-Perspektive?

Welche Aufklärungsmethoden werden aktuell in der Literatur vorgeschlagen und welche hat das ISBB entwickelt?

Welche Möglichkeiten und Grenzen birgt die ISBB-Sexualbegleitung?

Wie hält es das ISBB mit Prostitution und Pornografie?

Was bedeutet Pubertät, allgemein und insbesondere für behinderte Menschen?

Welche Zeugungshilfen gibt es für behinderte Männer?

Was bedeutet Elternschaft, allgemein und insbesondere für behinderte Menschen?

Wie fördert und hindert meine eigene Lebensgeschichte meine Arbeit?

  

Folgende Themen sind durch Hausarbeiten zu behandeln (je TeilnehmerIn ein Thema nach freier Auswahl):

Flirt

Verhütung

Kinderwunsch

Schwangerschaft

Unterschiedliche sexuelle Orientierungen

Erektion

Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten

Hilfen bei Inkontinenz

Missbrauch

Hier sind nur Stichworte aufgenommen, um die individuelle Gestaltung der Autorinnen und Autoren nicht zu beeinflussen.

Die individuelle Gestaltung wird dem Dozenten vorgelegt, der beratend Stellung nimmt und beratend die Fertigstellung der Arbeit begleitet.

Dieser Bestandteil der Fortbildung wird auch über das Internet abgewickelt. 

 

Organisation der Fortbildung

Die Weiterbildung findet zum größten Teil im Gäste- und Tagungshaus Nemitzer Heide im Osten Niedersachsens statt. Träger ist das „Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter“.

Der nächste Bahnhof ist der in Salzwedel. Es gibt vom Haus aus einen kostenfreien Transfer.

Maximal zwei Weiterbildungstage lang muss im Familienplanungszentrum BALANCE in Berlin hospitiert werden. Hierbei muss ein Fachgespräch zur Literatur geführt werden.  Themen: "Schwangerschaftsverhütung" sowie "Prävention von Geschlechtskrankheiten".

Es können mehrere Personen zeitgleich ausgebildet werden und manchmal zusammen unterrichtet werden.

Die Fortbildungszeiten werden individuell vereinbart und passen sich so beruflichen und familiären Erfordernissen an. Die Termine sind aber oft an den Wochenenden nötig.

Jede Fortbildung umfasst 150 konkrete Lehrstunden, exklusive notwendige Aufenthalte am Fortbildungsort. Für die begleitete Ausarbeitung aufgrund einer Hospitation werden 40 Stunden berechnet. Für die begleitete Themen-Hausarbeit werden weitere 40 Stunden berechnet.

Die gesamte Fortbildung umfasst damit eine Dauer von 230 Stunden. Sie erstreckt sich etwa über ein Jahr, was aber nicht bindend ist. Beginn jederzeit. Der Stundenumfang kann durch weitere freiwillige Hospitationsdokumentationen erhöht werden. Die geleistete Arbeit wird ausführlich zertifiziert. 


Bewerbungs-Voraussetzungen

1. Zugelassen werden nicht nur behinderte und chronisch kranke Menschen.

2. Die Fortbildung wird berufsbegleitend absolviert oder anhand von Einsätzen im ISBB-Trebel.

3. Die BewerberInnen sollen zur Selbsterfahrung bereit sein.

Die Bewerbungsunterlagen werden direkt an das ISBB Trebel gesandt, das die Weiterbildung organisiert. Einzureichen ist ein Anschreiben, aus dem die Motivation zur Fortbildung zu erkennen ist, und ein kurzer Lebenslauf.

 

Kosten der Weiterbildung

Die Weiterbildung kostet 1.750,00 € plus Reisekosten. Unterbringung im Gästehaus Nemitzer Heide oder in der Berliner ISBB-Zweigstelle sind inklusive, an allen anderen Fortbildungsorten exklusive. Zahlung bei Anmeldung in einer Summe. Sie kann ab Anmeldung in 12 Monatsraten über 150,00 € getätigt werden, das ergibt dann allerdings 1.800,00 €.

Erfolg versprechend ist die Anfrage bei den Trägern von Einrichtungen wegen einer Kostenübernahme oder eines Zuschusses. Denn die pädagogische Berücksichtigung von sexuellen Bedürfnissen in den Einrichtungen der Behindertenarbeit durch eine ISBB-Fortbildung fördert nicht nur die Lebensqualität, sie verhindert erhebliche finanzielle Mehraufwendungen.

Bei Abbruch der Fortbildung durch den Fortbildungsträger wegen schädigendem Verhalten wird der Gesamtbetrag der Fortbildung dennoch fällig. Ein solcher Ausschluss wird schriftlich begründet.

Bei vorzeitiger Beendigung der Fortbildung durch die Teilnehmerin oder den Teilnehmer wird der anteilige Betrag für die noch ausstehende Fortbildungszeit erstattet bzw. nicht erhoben, bis auf 20 % dieses Betrages.

 

Zertifikat

Alle Absolventen erhalten nach Abschluss der Fortbildung ein Zertifikat, das sie berechtigt, den Titel
Sexualberaterin ISBB bzw. Sexualberater ISBB zu führen.
 

Eine Abschluss-Prüfung findet nicht statt. Ist die gesamte Fähigkeitsentwicklung einer teilnehmenden Person nach Ansicht des leitenden Ausbilders nach Beendigung der Fortbildung nicht geeignet, der zu erwartenden beruflichen Anforderung und Verantwortung gerecht zu werden, kann ein Zertifikat begründet verweigert werden. 

Interessenten sind herzlich eingeladen, sich bei einem Informationsgespräch den Fortbildungsort, also das Gäste- und Tagungshaus Nemitzer Heide, Nemitzer Str. 3 in 29494 Trebel anzusehen und die Fortbildung mit deren Leiter, Dipl.-Psych. Lothar Sandfort, im Detail zu erörtern. 

Bitte melden Sie Ihr Interesse umgehend beim ISBB an.

Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter

Gerichtsstand: Dannenberg / Landkreis Lüchow-Dannenberg.



 

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Ich unterstütze das ISBB mit einem Betrag nach meiner Wahl. Dafür können Menschen das ISBB-Angebot nutzen, die es sich sonst nicht leisten könnten.

 

 

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

lothar.sandfort@isbbtrebel.de

oder telefonisch über

bzw. 05848 98 15 65  (Büro Trebel)

bzw. 05848 204 309 (Gästehaus)

bzw. 01522 9523834 (Büro Berlin) (Handy)

Postanschrift:

Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter, Nemitzer Str. 16, 29494 Trebel

Psychotherapeutische Praxis Berlin, Holzmarktstr. 69, 10179 Berlin (am Alexanderplatz)

 

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Stand: 13. Dezember 2009