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Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter

                                   

 

Esmeralda...

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FRAGEN


1980 war das Jahr, in dem zum ersten Mal eine Urlauberin vom Frankfurter Landgericht Schadensersatz dafür zugesprochen bekam, dass sie in ihrem Urlaubshotel mit Behinderten zusammenleben musste. Daraufhin gab es die erste große Demonstration der Behindertenbewegung mit über 5000 Teilnehmenden. Die bisher vereinzelten bewegten und bewegenden Initiativen kamen zu einem gewaltigen Aufzug zusammen. Das war ein Gefühl von Macht und Stärke, dessen Faszination einen - einmal erlebt - nicht mehr loslässt. Das treibt die Kräfte zusammen.


1980 war ich bereits neun Jahre behindert. Das war für mich aber erst die Zeit, in der ich wirklich Antworten auf meine vielen Fragen wollte. Wieso kann jemand für den Kontakt mit Behinderten Schadensersatz fordern und auch zugesprochen bekommen? Welche Logik steckt darin, welche Psycho-Logik? Warum werden Behinderte isoliert? Warum antworten so viele Nichtbehinderte, sie würden lieber tot sein als behindert? Warum hatte ich als Nichtbehinderter genauso gedacht und warum als Behinderter nicht mehr? Warum war ich als Nichtbehinderter Behinderten aus dem Wege gegangen? Warum suchte ich erst nach neun Jahren wirklich Antworten und hatte doch immer noch Angst vor ihnen?


Solche Fragen waren Ausgangspunkt meines Engagements in der damals gerade entstehenden emanzipatorischen Behindertenbewegung. Die Aktiven, von denen sie getragen wurde, suchten nicht nur die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner; sie wagten auch die Auseinandersetzung mit sich selbst. Leider nicht sehr lange. Warum das so war, soll dieses Buch unter anderem erklären.


Für mich war die Mitarbeit in der Bewegung immer auch eine Suche nach Erklärungen. Wenn ich mich erfolgreich emanzipieren will, muss ich erst einmal wissen wovon. Den Verursacher von Diskriminierung einfach im Nichtbehinderten, im Kapitalismus oder im Mitleid zu sehen: das war mir zuwenig. Das Erklärungsmodell dieses Buches ist Ergebnis dieser Bewegungsarbeit über zwanzig Jahre. Viele Einzelgedanken sind Ideen anderer Mitstreiter und Mitstreiterinnen in vielen und langen Diskussionen, für die ich mich bedanke.


Zusätzlich habe ich eine Reihe von Interviews mit Querschnittgelähmten geführt. Ihre Erfahrungen und Einschätzungen habe ich nach in meinem Psychologiestudium erlernten Methoden ausgewertet. Das Ergebnis war für mein Verstehen sehr hilfreich.


An den persönlichen Erfahrungen meiner Interviewpartner und an meinen eigenen setzt das Erklärungsmodell an, das ich in diesem Buch beschreibe.


Die poetischen Beiträge verstehe ich als Gebrauchspoesie. Sie sollen den theoretischen Text versinnlichen. Diese Gebrauchspoesie hat konkrete Entsprechungen im beschreibenden Teil. Doch habe ich sie räumlich nicht zugeordnet. Analyse und Beschreibung auf der einen und Versinnlichung auf der anderen Seite sollen ein Spannungsverhältnis bieten, in das Leser und Leserin die eigene Geschichte einbringen können.


Besondere Hochachtung habe ich vor Victor Hugos Werk »Der Glöckner von Notre-Dame«, geschrieben 1831, bis heute in alle Kultursprachen übersetzt und Vorlage für einen ergreifenden Film. Hugo hat eine Polarität des Heros-Lepros-Modells aufgegriffen: Vollkommene Schönheit und vollkommene Hässlichkeit. Quasimodo ist einer von uns. Ich nutze sein Schicksal und das Esmeraldas zur Verdeutlichung meiner Thesen.


Ich wünsche mir, mit diesem Buch zur Aufklärung vieler Phänomene beizutragen. Ich wünsche mir, dass dadurch viele Behinderte den Schritt zur Auseinandersetzung mit sich wagen und letztlich emanzipierter mit ihrem behinderten Leben umgehen können. Dieses Buch ist keine Anleitung zur Emanzipation, eher eine Anregung, eine Anstiftung dazu.


Ich wünsche mir, dazu beitragen zu können, dass die deutsche Behindertenbewegung zu ihrem alten Schwung zurückfinden kann. Denn heute, 1993, steht sie nach vielen Jahren des Erfolges vor Phänomenen, die ihre Aktionen als erfolglos erscheinen lassen. Wieder haben Touristen erfolgreich eine Preisreduzierung einklagen können, weil sie in einem Hotel gemeinsam mit Behinderten wohnten. 1992, 12 Jahre nach dem ersten Prozess dieser Art, urteilt ein Richter am Amtsgericht Flensburg (AZ: 63 C 265/92): »Der unausweichliche Anblick der Behinderten auf engem Raum bei jeder Mahlzeit verursachte Ekel und erinnerte ständig in einem ungewöhnlich eindringlichen Maße an die Möglichkeiten menschlichen Leidens.«


Gleichzeitig berichten die Medien von den ersten Übergriffen rechtsradikaler Kräfte auf Behinderte, von Beschimpfungen, von körperlichen Angriffen und von Bespucken. Eine ähnliche starke Reaktion von Behinderten und ihren Freunden wie im Jahre 1980 blieb aus.






QUASIMODOS SCHEIDUNG


Ich schlage das Buch zu mit einem lauten »Nein!«. Meine Augen schmerzen. Es ist spät geworden in meinem Sessel und so ruhig.

Es ließ mich nicht los, das Buch. Es lässt mich nicht los.


Der Schluss ist gradezu genial. Quasimodo hat sich zur gehängten Esmeralda gelegt und dort ausgeharrt bis ihre Skelette zu Staub zerfallen. Victor Hugo nennt das »Quasimodos Hochzeit«. Genial.


Hochzeit in der Gruft. Quasimodo wird eins mit Esmeralda im Tode, nur im Tode. Nichtexistierende Vereinigung. Genau. Nur so geht das. Nur so stimmt das.


»Victor Hugo«, Ehrfurcht höre ich in meiner Stimme. Meine rechte Hand streicht über das Buch. Hat er sein Werk, hat er diesen »vollkommen hässlichen« Quasimodo geliebt - und die »vollkommen schöne« Esmeralda? Hat er sie überhaupt geschaffen?


Nein, er hat sie erspürt, er hat sie erkannt, - und sich und mich zugleich.


Ich schalte das Licht aus, bin müde. Dunkelheit. Dunkel wie in einem Grab. »Qua-si-mo-do«, höre ich mich sagen und werde unruhig, fühle Wut und Trauer. Warum musste er sich so erniedrigen?


Warum erniedrigen wir uns so oft? Wie oft bin ich dir schon begegnet, Quasimodo! Wie oft warst du in mir!


Quasimodo, du lebst, ich weiß es. Ein Poet kann dich nicht sterben lassen.


Du lebst, denn ich leide an dir, an Euch.


Du liebst sie immer noch, nicht wahr?


Wie du dich für sie demütigst. Wie ein Hund bist du ihr ergeben. Dafür verachtet sie dich, fürchtet dich wie ein Ungeheuer.


Du bist kein Dämon, Quasimodo. Ein Dämon hat keine Wunden.


Höre wie du deine Glocken liebst, fühle wie du den Hass erträgst, sieh wie du kämpfst - für dein Ziel.


Nein, mein Lieber, da ist auch Achtung vor dir selbst. Erinnere dich! Du hattest ihr zwei Vasen hingestellt. Die eine, die verbeulte, hielt den Blumen das Wasser. Die andere, die schöne, ließ die Blumen vertrocknen.


Wie hättest du dich schöner beschreiben können?


Sie nahm die vertrockneten Blumen an ihr Herz. Das kannst du doch nicht verzeihen.


Warum liebst du sie noch?


Laß' die Lerche und sieh die Schönheit der Eule. Wir sind alle schön, wir sind alle schön!


Sag' das, Quasimodo! Sag', dass du schön bist! Du bist wild, bist entschlossen, du hast Mut. Was sie für dich tat, hätte sie jedem getan.


Steh auf, steh auf.


Steh auf!


Komm Bruder, Schwacher, Starker, Heiliger, Hassender, Kluger und Tor, tu es für mich, tu es für dich und sie, schau sie an und schrei! Schrei wie ich:


Esmeralda, ich liebe dich nicht mehr!








BEWEGUNG


Ernst Klee, nichtbehinderter Journalist und Buchautor, ist eng mit der Bündelung des Widerstandes behinderter Menschen in der Bundesrepublik Deutschland zu einer Bewegung verbunden. Er plante die ersten Aktionen mit, in denen wir uns fanden. Er machte uns mit seinen Büchern Mut, selbstbestimmter unsere Interessen zu vertreten.


Die Bewegung wuchs mit ihm auf und war erwachsen, als sie sich gegen ihn wandte. Ernst Klee hat sich darüber gewundert. Nach heftigen Angriffen aus der noch jungen Bewegung zog er sich von den Aktionen zurück. Nicht ohne Frustration. Das Paradox, dass ein Nichtbehinderter Symbolfigur der Behindertenbewegung war, wurde unhaltbar. Wie ein weißer Martin Luther-King nicht denkbar ist, und wie ein männlicher Fürsprecher der Frauenemanzipation immer eine erbärmliche Figur abgibt, so können Nichtbehinderte nie authentisch unser Wort führen. Das können wir nicht erlauben, wenn wir glaubwürdig sein wollen.


Damals, 1980/81 gab es zwischen den bewegten Behinderten geradezu tragische Auseinandersetzungen. Da waren auf der einen Seite die, die in Initiativen Behinderter und Nichtbehinderter aktiv waren; auf der anderen Seite standen die, die aus ihren Gruppen - den Krüppelgruppen - Nichtbehinderte konsequent ausschlossen. Mitte 1981 spaltete sich die Bewegung. Das noch gemeinsam vorbereitete Krüppeltribunal, 1981 in Dortmund, wurde dann von den Krüppelgruppen boykottiert.


Die übrig gebliebenen Aktivsten der beiden ehemaligen »Lager« treffen sich längst wieder gemeinsam im »Forum der Krüppel- und Behinderteninitiativen«, obwohl es die Krüppelgruppen inzwischen nicht mehr gibt. Bei den Treffen dieses Forums sind regelmäßig Nichtbehinderte dabei, ohne dass das zu Konflikten führt. Es ist nicht mehr nötig, die Nichtbehinderten auszuschließen. Die Entscheidungsdominanz dieses Gremiums liegt ganz sicher bei den Behinderten selbst.


Dazwischen liegen jetzt mehr als zwölf Jahre. Der Kern der behindertenbewegten Aktiven ist klein geblieben. Trotz wirkungsvoller Aktionen und guter Erfolge all die Jahre ist die Geschichte der emanzipatorischen Behindertenbewegung bisher die einer avantgardistischen Bewegung. Diese Vorhut gibt es in vielen Ländern Europas, in Japan und in den Vereinigten Staaten. In den letzten Jahren ist es zu wirkungsvollen internationalen Kontakten und Vernetzungen gekommen.


Dennoch steht der eigentliche emanzipatorische Schub noch aus. Viel zu wenig Behinderte lassen sich auf den mühsamen Befreiungskampf ein. Zu übermächtig scheint die Diktatur der Normalität. Viel zu viele Behinderte schlucken die alltäglichen kleinen und großen Diskriminierungen, beugen sich der Aussonderung und verdrängen ihre Abnormalität. Die Unverschämtheiten des Normalen werden einfach hingenommen, ertragen oder verdrängt.


Unfassbar ist das!






BEHINDERUNG ALS VERLUST


Oder ist das oben beschriebene Verhalten doch begreifbar? Die Querschnittgelähmten, die ich befragte, beschrieben viele Momente tiefer Erniedrigung - besonders oft in der ersten Rehabilitationszeit. Es kam bei allen zu tief erschütternden Erlebnissen, durch die sie sich »wertlos, elend, wie ein Tier, wie ein Säugling, nicht mehr als richtiger Mensch« fühlten.


Das Gefühl von Hilflosigkeit und Abhängigkeit, das Gefühl, lästig, unattraktiv zu sein und »nichts mehr machen zu können«, wurde als Hauptproblem dieser Erfahrungen genannt. Bei der Frage »Was wäre, wenn das so bliebe« stellten sich regelmäßig Schreckensvisionen von einem Leben in Isolation, in Mitleid und ohne Freude ein.


Eine Interviewte beschreibt, sie habe sich anfangs in einer stillen, weiss gestrichenen Kammer gesehen. Sie lag ständig flach, und immer musste jemand um sie herumhüpfen, um sie zu füttern, ihr die Zeitung hinzulegen und ähnliches. »Ein Leben in Hilflosigkeit und Abhängigkeit, mit Bewegungsunfähigkeit, ohne Erlebnisse, ohne Perspektiven in Bezug auf Laufen und Beziehungen, jahrelange, jahrzehntelange Rumliegerei« blühte ihr nach ihren Vorstellungen. Ein Leben als Behinderter bedeutet nach einer derartigen Vorstellung den Verlust von Spaß, von genussvollen Erlebnissen: den VERLUST von LUST. Dabei meint LUST nicht nur sexuelle Befriedigung.


Solche Schreckensvisionen von einem zukünftigem Leben malten sich die Interviewten mehr oder weniger deutlich aus. Diese waren begleitet von Ängsten, ausgeschlossen, abgeschoben oder verlassen zu werden: von Ehepartnern oder der ganzen Familie, von Freunden und Bekannten, für die sich die Befragten nun wertlos und gar lästig glaubten. Wenn auch nicht sofort, - mit der Zeit - irgendwann würde es auch den nahestehenden Menschen zuviel.


Woher kommen diese Ängste, woher kommt die Angst, ausgestoßen zu werden? Weil das immer schon so war? Hilft eine geschichtliche Betrachtung? Immerhin sind Behinderte schon in der Urzeit von ihren Volksgruppen ausgestoßen worden. Behinderung bedeutete damals - wenn nicht den Tod - das absolute Elend. Das Wort »Elend« drückt sehr treffend eine von der Gesellschaft als lebensgesetzlich angesehene Folge von Behindertsein aus: Etymologisch bedeutet Elend »In fremdem Land, ausgewiesen«.







EXPEDITION

Viele sind nach einiger Zeit wiedergekommen, viele Frauen, viele Schwarze, viele Schwule darunter. Ich habe ihre Berichte begierig gelesen.

Ich meine nicht die Kaufleute und Entdecker, nicht die, die auszogen, um auszubeuten. Ich meine die Ausgebeuteten, die, die ihre Fußfesseln loswerden wollten.

Sie sind auch eher emigriert, glaube ich. Doch sie sind zurückgekommen. Nicht alle.

Sie haben von Orten erzählt, an denen sie wirklich frei waren, und stolz. Die Scham sei dort vorbei.

Sie sind zurückgekommen, weil sie eigentlich nie freiwillig von ihrer Heimat lassen wollten.

Sie haben es wieder versucht, mit Erfahrungen, die sie verändert hatten. Die sie selbst hier frei sein lassen. Emanzipiertsein nennen sie das.

Doch Expeditionen können scheitern. Wer gibt mir die Sicherheit?

Ich kann mich verlieren und den Spatzen in der Hand.

Und außerdem, ihnen ging es schlechter als mir, und außerdem, im Grunde fehlt mir doch nichts, und außerdem bin ich für meinen Schmerz selbst verantwortlich.

Ich bin so empfindlich.


Ich bin doch empfindsam nicht die Fessel.







AUSGEWIESEN IN EIN FREMDES LAND


Zur Geschichte behinderter Menschen gibt es ein paar Untersuchungen. Aus ihnen ist ersichtlich, dass Diskriminierung, Aussonderung oder gar Vernichtung Behinderter nicht Momente der jüngsten Vergangenheit und der Gegenwart sind, sondern bereits in der Antike und früher beobachtet wurden.


Über viele Jahrhunderte hinweg waren die Voraussetzungen für Behinderte so schlecht, dass sie maximal ihr Überleben erreichen konnten. Der Überlebenskampf gestaltete sich in den verschiedenen Epochen sehr unterschiedlich. Durchgehend jedoch gehörten die Behinderten nicht voll der Gesellschaft an - bis zum Einsetzen der neuzeitlichen Demokratie. Sie galten stets als Ballastexistenzen: es galt sie entweder auszumerzen, oder ihnen musste aus unterschiedlichen Motivationen »geholfen« werden.


Aus wirtschaftlichen Gründen sahen sich viele Naturvölker gezwungen, die Mitgliederzahl des Stammes klein zu halten. Nicht alle Menschen konnten zu allen Zeiten ernährt werden. Damit die Gemeinschaft überlebte, wurde eine Auslese vorgenommen. In den Fällen, in denen nicht mehr genug Nahrung für alle Gemeinschaftsmitglieder produziert werden konnte, wurden die »Unproduktiven« ausgeschlossen: die Behinderten (1).


Bei den schon weiterentwickelten Germanen war die Aussetzung (gleichzusetzen mit Tötung) behinderter Kinder weit verbreitet. Der Grund wird in der Literatur ebenfalls mit ökonomischen Mißständen angegeben: mit der Armut des Familienverbandes. Der Familienvater hatte zu entscheiden, ob er das Kind annehmen wollte oder nicht. Das Recht auf Aussetzung war gesetzlich verankert. Mit Armut wurde der Mord an behinderten Kinder legitimiert, Aussetzung galt nur als etwas Unsittliches, wenn sie von Reichen praktiziert wurde (2). Der Begriff »unsittlich« zeigt, dass auch hier keine Verurteilung stattfand. Aussetzung wurde nicht wie ein Verbrechen geahndet.


In Sparta lag die Entscheidung über Leben oder Tod Behinderter in den Händen des Staates. Der Kriegerstaat hatte sich Kampfbereitschaft und Kriegsfähigkeit als Ziel der Erziehung gesetzt. Es fand kein Leben für die Familie, sondern für die nationale Gemeinschaft statt. Diejenigen, die körperliche Mängel aufwiesen, waren für diese Gemeinschaft nutzlos und wurden vom Felsen Taygetos zu Tode gestürzt. Das Kriterium der Nützlichkeit für die Gemeinschaft war auch im antiken Griechenland vorherrschend und bestimmte den Wert des Menschen. Einige Behinderte wurden als Sklaven gehalten; verkrüppelte Frauen wurden zur Prostitution gezwungen. Auch für das römische Imperium trafen Ideale wie ökonomische Verwertbarkeit oder Kriegsfähigkeit zu. Entweder wurden Behinderte zu Sklaven aufgezogen oder bereits als Kinder in den Tiber geworfen. Der Philosoph Seneca sprach in diesem Zusammenhang nicht von Zorn, sondern von Vernunft: » ... Untaugliches von Gesundem zu scheiden.« (3). Da die Römer aber an der Erhaltung der Kampfmoral interessiert waren, vollzogen sie eine Trennung von Kriegskrüppeln und Verkrüppelt-Geborenen. Der Krieger musste sicher sein, im Falle einer Verwundung nicht dem Elend verfallen zu müssen. Zur Versorgung der Krieger wurden Krankenanstalten errichtet, während die Tötung behinderter Neugeborener nach wie vor praktiziert wurde.




Die christliche Nächstenliebe




Erst unter Kaiser Konstantin, um die Wende vom 3. zum 4. nachchristlichen Jahrhundert, wurde die Kindesaussetzung untersagt.

Mit dem Aufkommen des Christentums veränderte sich die Situation der Behinderten. Sie wurden nicht mehr unentwegt verstoßen oder getötet, sondern als Wesen angesehen, denen aus Mitleid geholfen werden musste. Die Caritas - Nächstenliebe - erhielt ihre Verbreitung in der Welt. Fortan mussten die Behinderten nicht mehr um das bloße Überleben kämpfen. »Das Christentum bewahrte sie vor dem Tod, bescherte ihnen aber nicht das Leben!« (4) Es entstanden von Christen unterhaltene Pflegehäuser und Armenasyle. Damit begann die institutionelle Realisierung des christlichen Caritasgedankens. Klöster und Stifte übernahmen die Pflege und Ernährung von Armen, Kranken und Behinderten.


Eine weitere Veränderung in der Einstellung zu Behinderten vollzog sich während des Spätmittelalters. Der Glaube, dass Krankheit eine Folgeerscheinung begangener Sünden sei, spitzte sich zu. In zunehmenden Maße wurden Behinderte als Teufelskinder oder Wesen fremder Welten betrachtet. Die Religionslehre dieser Zeit unterstützte diese Sichtweise: »Wer mit den Göttern in Einklang lebt, ist gesund und glücklich, wer die Gebote missachtet, wird krank.« (5) Die Verantwortung für das Schicksal wurde individualisiert und den Betroffenen selbst zugeschoben. Obwohl zu dieser Zeit das moralische Anrecht auf Unterstützung bestand, wurde es vielen Behinderten verwehrt. Zu sehr hatte sich der Glaube, dass Behinderte Träger von Unheil seien, verfestigt. Jenen, die den Scheiterhaufen oder Siechenhäusern entkamen und in der Gemeinschaft geduldet wurden, blieb als Überlebensmöglichkeit, sich als Hofnarren der Belustigung auszuliefern oder zu betteln. Einige wenige fanden Schutz in Klöstern.


Die Reformation ließ die Barmherzigkeit der Bevölkerung jedoch wieder enorm steigen. Ein Wesenszug der Reformation war die Konzentration auf die Bibeltexte. Die übermittelten Taten Jesu galten als Vorbild. Jesus hatte sich nicht nur den Armen, sondern gerade den Behinderten zugewandt.


Auch der Reichtum der Kirche und seine Perversionen hatten ja zur Entstehung der Reformation beigetragen. Das Almosen bekam wieder ursprünglichen Glanz und ernährte viele Behinderte, bedeutete für viele Menschen aber auch grausame Folter. Denn die Gewissheit, dass Behinderte mehr Almosen erhielten, und die weit verbreitete große Not führten dazu, dass viele Eltern ihre Kinder künstlich verkrüppelten und zum Betteln dressierten. Denn es gab Unterschiede innerhalb der Gruppe der Bettler. Zwar bedeutete ein Dasein als Bettler immer, am Existenzminimum zu leben. Die behinderten Bettler waren jedoch materiell bessergestellt als die nichtbehinderten Bettler.


Behinderte waren das Objekt christlicher Nächstenliebe, doch die Theorie, nach der Behinderung als Ausfluß des Bösen zu sehen sei, lebte gleichzeitig fort. Als Wechselbälger wurden geistig und körperlich behinderte Kinder bezeichnet, die - so glaubte man - in den ersten Tagen nach ihrer Geburt der Mutter vom Teufel untergeschoben wurden. Das leibliche Kind wurde angeblich entführt. Auch Martin Luther war diesem Aberglauben verfallen und wollte selbst ein Krüppelkind ertränken (6).


Die zunehmende Orientierung am ökonomischen Erfolg im 15. und 16. Jahrhundert (politischer Aufstieg der Städte) und die zunehmende Wettbewerbsorientierung verschlechterten die Situation der Behinderten. In Augsburg wurden zum Beispiel alle Armen und Bettler eine Zeit aus der Stadt verbannt (7). Wieder ging es Behinderten um das reine Überleben, da ihnen ihre Einnahmequellen, die Almosen, entzogen wurden.



Die Ghettos der Aufklärung



Das besserte sich erst, als mit der Epoche der Aufklärung Toleranz als menschliche Tugend einen hohen Stellenwert einnahm. An die Stelle der Vertreibung von Behinderten trat allmählich die Gründung staatliche Anstalten, in denen Behinderte ein lebenslanges Unterkommen fanden: 1778 die erste orthopädische Heilanstalt in Orp (Kanton Waadt), im gleichen Jahr die erste Taubstummenanstalt in Leipzig, 1861 das erste deutsche orthopädische Institut in Würzburg, 1816 in der Nähe von Salzburg die erste Anstalt für schwachsinnige Kinder. (8) Der Bau dieser Institutionen wurde von der Gesellschaft finanziell unterstützt. Diese war jedoch nicht an einer Förderung der Behinderten interessiert. Für sie stand im Vordergrund, den Anblick Behinderter im öffentlichen Leben zu verhindern. »Der widrige Anblick solcher Unglücklichen muss dem öffentlichen Verkehr entzogen bleiben, denn der Eindruck auf Empfindsame und Schwangere ist höchst bedenklich.« (9) Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden die ersten Klassen für Sehbehinderte, Schwerhörige und Sprachgestörte. Sondereinrichtungen, die nun Behinderte auch fördern sollten.


Die zunehmende Aufmerksamkeit für die Lehren des englischen Biologen Charles Darwin entfachte dann die Diskussion über »unwertes Leben« neu. Darwin hatte die Entwicklung der Lebensformen als Existenzkampf interpretiert. Nach seiner Selektionstheorie überleben die Starken, während die Schwachen zum Untergang bestimmt sind. Sinn sei die ständige Weiter- und Höherentwicklung der Rasse. Ausgehend von diesen Theorien prägten Erb- und Rassenlehre nun die »Behindertenbetreuung«.


Deutsche Rassehygieniker sahen die Fortentwicklung der edlen und gesunden germanischen Rasse gefährdet. Sie vertraten die Auffassung, den Trägern kranken Erbgutes sei die Ehe und der Geschlechtsverkehr zu verbieten. Als zusätzliche Vorsorge vor Schwangerschaften wurde eine Zwangsasylierung vorgeschlagen: die nach Geschlechtern getrennte Einweisung in Anstalten. Auch zwangsweise durchgeführte Sterilisationen waren ein Ausdruck dieser behindertenfeindlichen Ideologie, an deren Ausbreitung Juristen, Ärzte und Sonderpädagogen besonders beteiligt waren. Der Mediziner und Nationalökonom Alfred Ploetz schrieb: »Stellt sich heraus, dass das Neugeborene ein schwächliches und missratenes Kind ist, so wird ihm vom Ärzte-Kollegium... ein sanfter Tod bereitet, sagen wir durch eine kleine Dosis Morphium.« (10) Das Verfahren der Euthanasie des 20. Jahrhunderts wurde hier vorbereitet. Die schon in der Antike gängige Einschätzung des Behinderten als minderwertiges Individuum war mit dem Darwinismus scheinbar wissenschaftlich untermauert worden. Der Jurist Karl Binding und der Mediziner Alfred Hoche befürworteten die Ideen des Sozialdarwinismus. Sie beriefen sich in ihrer Publikation »Die Freigabe der Vernichtung unwerten Lebens« darauf. In diesem Werk bezeichneten sie das Leben Behinderter als völlig zwecklos und das Spritzen einer tödlichen Überdosis als reine Heilbehandlung. Mit der Vernichtung »unheilbarer Blödsinniger« würde der Gesellschaft eine schwere Last genommen. (11) Die Belastung für die Gesellschaft sahen Binding und Hoche in der völligen Hilflosigkeit, der daraus resultierenden Notwendigkeit der Versorgung durch andere und in der Unproduktivität der Behinderten. Die von ihnen aufgestellten Kosten-Nutzen-Rechnungen fanden besonders in Wirtschaftskreisen große Anerkennung.



Die Euthanasie im Nationalsozialismus



Ihre Ausführungen wurden nicht nur gedanklich aufgegriffen, sondern im deutschen Faschismus »perfekt« in die Tat umgesetzt. Kosten-Nutzen-Rechnungen und das rassistische Gedankengut bereiteten das Todesurteil für mehr als hunderttausend Behinderte während des Dritten Reiches vor. Ziel der Nationalsozialisten war ein reines, gesundes deutsches Reich. Um dieses Ziel zu erreichen, waren ihnen alle Mittel recht. Ein Weg, den völkischen Staat von seinen krankhaften Erbanlagen zu befreien, war die Zwangssterilisation. Die »Unfruchtbarmachung«, wie dieser Eingriff damals genannt wurde, verhindere Elend und Leid und sei ein Werk christlicher Nächstenliebe. Dies propagierte 1933 das Amt für Volksgesundheit der NSDAP. Es verharmloste den Eingriff, bei dem viele Menschen starben, und nannte diejenigen, die ihre Mitarbeit verweigerten, Verräter des Volkes. Hitler selbst nannte die Sterilisation, die in dem »Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses« verankert war, sogar die humanste Tat der Menschheit.


Die Zwangssterilisation war aber nur ein Weg zur »Reinerhaltung des deutschen Volkes«. Der andere war - wie schon genannt - geplante Vernichtung (Euthanasie). Mit der Tötung eines behinderten Jungen in Leipzig 1939, für die Hitler ausdrücklich die Verantwortung übernahm, war die »Kinder-Aktion« geboren. Die Reichsleiter Bouhler und Brandt wurden beauftragt, zukünftig ähnlich zu handeln. Ein Ministerialerlass verpflichtete Hebammen und Geburtshelfer, idiotische, missgebildete und gelähmte Neugeborene den Gesundheitsämtern zu melden. Um die Jahreswende 1939/40 begann die Ermordung Erwachsener. Sie wurden vergast, zu Tode gespritzt oder starben den Hungertod. In der Benachrichtigung, die die Angehörigen aus den Anstalten erhielten, wurde eine Krankheit der Verstorbenen vorgetäuscht; sie seien angeblich auf Grund der Seuchengefahr sofort eingeäschert worden. (12)


Behinderte wurden über Jahrhunderte hinweg als minderwertig betrachtet; sie wurden diskriminiert, gequält oder gar vernichtet. All dies fand seinen letzten Höhepunkt im Faschismus des 20. Jahrhunderts. Heute spricht vieles dafür, dass weitere Höhepunkte folgen werden, nicht nur die Übergriffe der Neo-Faschisten.







BIS HIERHER UND NICHT WEITER


Ich hab es geschafft! Hab es durchgestanden. Das muss ich Euch erzählen. Immer wieder ist es mir passiert, wenn ich ausging in Restaurants, Kneipen. Einmal bei der Besichtigung der Düsseldorfer Altstadt. Im Kölner Karneval, schon hundertfach. Plötzlich greift jemand von hinten meinen Rollstuhl und schiebt. »Wo willste hin, Jung?«, hör ich dann nur, »Ich schieb dich. Das machen wir!« - und ab geht's. Wieder ein Besoffener, vom Mitleid getrieben. Eine Reaktion ist kaum möglich; sie schieben mit aller Kraft. Auf sie einzureden hat wenig Zweck. Ich kann mich nicht richtig umdrehen, rede nach vorn, und sie hören doch nicht zu. Selbst wenn ich sie erreichen konnte - wenn sie nicht besoffen sind zum Beispiel - habe ich es nicht getan. Ich hab immer gedacht, dass sie mir ja eigentlich nichts Böses wollen. Sie können doch nichts dafür. Meistens hab ich dann eine nahe Kneipe oder ein Auto als Ziel genannt. Dann war ich sie los.


Einmal habe ich mich durch die ganze Stadt schieben lassen. Ich habe mich mit einem Menschen unterhalten, den ich erst sah, als er mich losließ. Ich habe über Dinge geredet, die mich nicht interessierten. Mich zu wehren, dachte ich, ist doch undankbar. Vielleicht denken die anderen, ich wolle mir nur nicht helfen lassen, weil mir meine Behinderung was ausmacht. Blöd, was? Aber als ich einmal ins Auto einsteigen wollte, kam eine Frau und fragte, ob sie mir helfen könne. »Nein, danke!«, sagte ich. Sie ging aber nicht. Oh, wie ich das hasse.


Ich hatte es aber damals eilig. Wenn ich Zeit habe, lasse ich mir ja auch schon mal helfen. Zeige den Leuten, was sie tun müssen: wie der Rollstuhl zusammengeklappt und wie er hinter den Beifahrersitz verstaut wird. Die Leute sind dann froh und freuen sich. Vielleicht nimmt ihnen das die Angst vor Behinderten noch ein bißchen mehr. Aber damals hatte ich es eilig. Sag also: »Nein, danke!« Aber die bleibt. Ich ärgere mich, greife den Rollstuhl falsch und bleibe hängen. Sofort packt die zu und sagt: »Nun lassen Sie sich doch helfen, oder sind Sie empfindlich?« Scheiße! Nichts, keine Antwort, keine Anschnauzerei. Ich hab einfach geschluckt und noch brav »Auf Wiedersehen« gesagt.


Aber heute: Wieder packt mich einer von hinten, ich greife in die Räder, will halten, es geht nicht. Aber ich krieg den Rollstuhl kurz linksrum und gleich wieder rechtsrum, entwische und stoppe. Sagt der: »Was denn, was denn? Ich hab kein Mitleid. Denkste, ich hab Mitleid?« Und ich sag einfach »Kümmer' Dich um Deine Sachen« - und haue ab. Da stand er da, ganz belämmert. Toll war das, einfach toll.







ZEIT RELATIVER DULDUNG




Behinderte wurden in der Vergangenheit geächtet, getötet, verbannt. Sie wurden geduldet, wenn sie für irgendetwas nützlich waren. Man ließ sie wegen des eigenen Seelenheils oder aufgrund der weltlichen Imagepflege des guten Christenmenschen leben, nicht aber ihrer selbst willen.


Welche Motive verbergen sich z.B. hinter der so genannten christlichen Wohltätigkeit? Zum einen wohl die Sicherung des Lebens nach dem Tode. Die Liebe zum Nächsten war Zeichen der Nachfolge Christi, sie ebnete den Weg ins Himmelreich. Dazu kam die Beweisnot der reich werdenden Kirche und der reichen Christen. Denn von Jesus Christus war das Wort überliefert, dass ein Kamel eher durch ein Nadelöhr komme als ein Reicher in den Himmel. Es gab in der Christenheit über Jahrhunderte hinweg sogar einen heftigen und blutigen Streit darüber, ob ein Christ überhaupt etwas besitzen dürfe. Andererseits hatte Jesus auch die Seeligkeit der Wohltat verkündet. Durch Wohltätigkeit, zum Beispiel in Form von Almosen, sollte das christliche Tun öffentlich demonstriert werden: das Opfer als Reservierungsrate, Versicherung und Beweismittel. Der Ausschluss Behinderter aus der Gesellschaft blieb bestehen.


Jedoch verlor mit zunehmender Säkularisierung des öffentlichen Bewusstseins behindertes Leben diese lebensrettende Rolle. Wenn die Motive für die Nichttötung Behinderter auch nicht der reinen Nächstenliebe entsprangen, retteten diese Gründe ihnen immerhin das Leben. Heute wird das Leben behinderter Menschen wieder von einigen Wissenschaftlern als Leiden definiert. Derartige Auffassungen werden weltweit unter Führung des Utilitaristen Peter Singer aus Australien propagiert. Utilitarismus wird die philosophische Lehre genannt, die im Nützlichen die Grundlage und Ausrichtung des sittlichen Verhaltens sieht. Ideale Werte, wie das unbedingte Lebensrecht jedes Menschen, werden nur anerkannt, wenn sie einen Nutzen haben.


Neue Theorien drohen neue Verhinderungen und Beseitigungen von behindertem Leben an. Sterbehilfe, Gentechnologie, pränatale Diagnostik und eugenische Indikation zum Schwangerschaftsabbruch sind - und werden stärker noch die modernen Mittel.


Doch zur Zeit machen die Setzungen der modernen Demokratie noch die in vergangenen Jahrhunderten übliche Leichtfertigkeit bei der Beseitigung und Verbannung unmöglich. Setzungen, das sind zum Beispiel Gesetze. Von besonderer Wichtigkeit sind in den einzelnen Gesellschaften die Verfassungen. Sie beinhalten die Grund-Setzungen. Für die Bundesrepublik Deutschland besagt das GRUNDGESETZ:

»Die Würde des Menschen ist unantastbar« oder

»Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt ... « oder

»Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.«


Die Verfassungsrechte allein bieten aber noch keine Sicherheit. Ihre Inhalte sind auslegbar, manchmal sind sie sogar durch weitere Gesetze ganz offen eingeschränkt. Je nach politischer Lage, öffentlicher Meinung oder Gewohnheitsrecht werden sie unterschiedlich interpretiert. dass in der Bundesrepublik Menschen immer noch in Armut leben, interpretiere ich - wie viele andere - als Widerspruch zum Artikel 1 des Grundgesetzes. Dennoch ist es legal und wird von Öffentlichkeit quasi als Gewohnheitsrecht akzeptiert. Schon seit vielen Jahren versuchen politische Kräfte, für alle Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik ein menschenwürdiges Mindesteinkommen gesetzlich festzulegen - erfolglos!


Wir können uns als Behinderte auf die Grundrechte allein nicht verlassen. Wir müssen stets versuchen, die gesellschaftlichen Auslegungen zu beeinflussen. Schon heute zeigt die Öffentlichkeit erschreckende Bereitschaft, das Töten von menschlichem Leben bei Schwerbehinderung zu tolerieren. Behindertes Leben wird getötet aufgrund der eugenischen Indikation in Paragraph 218 des bundesdeutschen Strafgesetzbuches oder indem behinderte Neugeborene in Krankenhäusern unversorgt gelassen werden. Hier setzten sich archaische Auffassungen fort. Aber nicht nur hier. Alltäglicher noch ist die gängige gesellschaftliche Ausgrenzung Behinderter - nun modern gestaltet und teuer bezahlt - in Sondereinrichtungen und psychiatrischen Kliniken.



Zwei Klassen der Duldung



Dennoch leben wir Behinderten in einer Zeit, in der wir relativ weitgehend geduldet werden. Viele von uns haben es sogar zu weit reichender Anerkennung gebracht, einige leben integriert und die meisten fühlen sich trotz rechtsradikaler Übergriffe noch sicher.


Wenn nun in diesem Buch behauptet wird, die heutige Aussonderung, gesellschaftliche Isolation und Verhinderung von Behinderung sei mit der Ausmerzung Behinderter in früheren Tagen - nur mit anderen Mitteln - vergleichbar, dann scheint die oben gemachte Aussage dem zu widersprechen. Heutzutage sind schon viele Behinderte integriert. Sie beleben die Straßen, sind zu sehen, werden in Cafés selbstverständlich bedient, sind beruflich eingegliedert, fahren Auto und haben eine eigene Wohnung. Das stimmt ohne Zweifel. Es ist nicht mehr so schlimm wie vor etwa zehn Jahren - für einige Behinderte. In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren hat sich viel verändert.


Wenn das UNO-Jahr der Behinderten 1981 von großen Teilen der Behindertenbewegung auch als überflüssig und schädlich bezeichnet, auch wenn es sogar bekämpft wurde: Es hatte großen Anteil an dieser Veränderung im Bewusstsein der Menschen und damit an der Veränderung der konkreten Lebensbedingungen der behinderten Menschen. Immer mehr Geld wird auch dafür ausgegeben, dass beispielsweise Behinderte in Regelschulen unterrichtet werden. 1981 rückten Behinderte wie durch einen Beschluss in das Blickfeld der Medien. Als sei es von der UNO verordnet worden, erwachte das Interesse für Berichte über Behinderte. Mit Vorliebe wurden Menschen geschildert, die es »geschafft hatten« und sich schon ein Stück weit integrieren konnten. In diesen Berichten wurde die alte Gleichung »Behinderung ist gleich Verlust von Lust« relativiert und teilweise sogar aufgehoben. Aufgehoben für einen Teil der Betroffenen. Die Gesamtheit der behinderten Menschen wird heute in integrierte und »integrationsfähige« einerseits und so genannte integrationsunfähige (in der Fachdiskussion tatsächlich so genannt) andererseits unterschieden und damit gespalten.


Es gibt eine Kluft zwischen leicht- und schwerstbehinderten Menschen. Die größten Gefahren, die dieses Buch beschreibt, bedrohen zunächst die Schwerbehinderten. Doch trügt der Schluss, die leichter behinderten Menschen hätten mit all dem nichts zu tun. Letztlich sind wir alle von Diskriminierungen betroffen und leiden unter ihnen gleichermaßen.


Wir leben in einer Zeit gespaltener aber dennoch relativ weitgehender Duldung. Warum nutzen wir sie nicht? Warum solidarisieren wir uns nicht?







BIS ZUM HALS IM SCHNEE VON GESTERN



Großartige, nach so vielen Jahren ohne Kontakt schreibst Du mir und noch dazu so offen? Das wundert und freut mich ungemein. Immerhin habe ich Dich geliebt, kurz aber intensiv.


Du schreibst über die schlimme Zeit vor Deiner Scheidung. Das tut mir leid. Aber es tut gut zu lesen, dass Du mich nie vergessen hast. Heute willst Du wissen, warum ich Dich damals »mir nichts dir nichts« fortgeschickt habe und keinen Kontakt mehr zuließ. Das war nicht »mir nichts dir nichts«.


»Was habe ich dir getan?«, fragst Du. Für mich lautet die Frage: »Was haben wir getan damals?« oder präziser »Was ist mit uns geschehen?«


Du hast mir schon bei unseren ersten kleinen Scherzen und unseren ersten Flirts im Büro gut getan. Als ich merkte, dass Du in der Kantine immer einen Tisch für uns allein gesucht hast, war ich tagelang glücklich. Ich war damals sowieso gut drauf. Ich hatte gerade meine erste richtige Stelle, mein erstes eigenes Auto und die erste eigene, ganz und gar rollstuhlgerechte Wohnung. Ich muss wohl ziemlich selbstsicher, gewirkt haben. Ich weiß noch, wie Du mir sagtest, wie toll das sei, dass ich allen Kollegen ihre Ängste vor meiner Behinderung genommen hätte. Glaub nicht, dass das leicht war. Vieles war nur Gehabe oder notwendige Strategie. Wenn Du mich besser kennengelernt hättest, hättest Du das alles gemerkt.


Auch als Du mich nach dem Betriebsfest nach Hause gefahren hast, war ich überhaupt nicht »stark«. Ich war innerlich total aufgewühlt. Der Alkohol hat mir geholfen, das zu verbergen. Du bist bei mir geblieben. Ich hab Dich gefragt, ob wir uns nicht näher kommen sollten. Du hast »Ja« gesagt. Auch noch, als ich zufügte: »Hautnah?«. Es war wunderschön. Als wir nebeneinander lagen, konnte ich Dir einfach sagen, was bei mir alles anders als bei nichtbehinderten Männern ist. Du hast sofort begriffen. Nicht nur, was ich alles nicht habe, sondern auch, was ich alles stattdessen empfinden konnte. Ehrlich, Du hast mir sogar neue Sachen gezeigt. Als Du gefahren bist, habe ich mir mit einer Flasche Sekt dann den Rest gegeben.


Dann hatten wir uns zum Frühstück verabredet. Ich habe kaum geschlafen, hab die Wohnung total aufgeräumt und Frühstück gemacht. Als Du kamst, warst Du immer noch wunderschön, obwohl ich sah, dass auch Du kaum geschlafen hattest. Du sagtest, Du hättest Dir Vorwürfe gemacht. Du seiest Dir Deiner Gefühle für mich überhaupt noch nicht sicher. Du wüsstest nicht, ob Du meine Erwartungen erfüllen könntest und hättest Angst, mich zu verletzen. Kannst Du Dich noch erinnern, wie lang die Pause danach war? Ich musste im Stillen soviel loswerden. »Was weißt Du von meinen Erwartungen,« ging es mir durch den Kopf. »Welche Erwartungen? Ich hab es einfach nur genossen. Genossen wie Du. Denkst Du bei allen Männern schon daran, was passiert, wenn es mit der Beziehung zu Ende geht? Nein, dazu hast Du mir schon zuviel erzählt. Aber bei einem Behinderten kommen Dir Bedenken. Hast gedacht, was wohl Deine Mutter sagen wird, was? Behinderten darf man kein zusätzliches Leid zufügen. Du machst Dir Vorwürfe, ich könnte mich an Dich binden. Nichts werde ich, gar nichts.«


Auf Deine Frage, warum ich nichts sage, hab ich Belangloses geantwortet wie »Ist schon gut« oder »Mach Dir keine Sorgen«.


Das Frühstück war nur noch Krampf. Erinnerst Du Dich? Ich glaube, Du hast sofort bereut, mir gesagt zu haben, was Dich bedrückt hatte. Du hast es spätestens bereut, als ich den Kontakt abbrach - das merkte ich wohl. Vielleicht hast Du immer noch gedacht, dass es besser so sei. Jedenfalls schienst auch Du erleichtert, als Du versetzt wurdest.


Was ist mit uns geschehen? Du hast nicht begriffen, was Du mir gesagt hast. Du konntest es nicht. Für Dich war es nur der Ausdruck von Befürchtungen. Vielleicht wäre alles anders geworden, wenn ich Dich beruhigt hätte. Aber ich weiß bis heute nicht, wie man DIESE Ängste beruhigt. Für mich bedeutete Deine Vorsicht, auf meine Behinderung zurückgeworfen zu werden. Meine Behinderung, die ich gerade überwunden zu haben glaubte.


Nun machst Du Dir wieder Vorwürfe und denkst, Du seiest schuld. Nein, nein, es waren die Umstände, für Dich und mich war es einfach zu früh damals - und heute ist es zu spät. Ich schreibe Dir wieder.


Bis zum Hals im Schnee von gestern grüße ich Dich.







DER GEGNER SITZT TIEFER




In der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute hat sich nur die Umgangsform mit Behinderten geändert, nicht aber das Ziel.


Heute werden Tötung, Aussetzung und gesellschaftliche Isolierung nicht mehr mit der bedrohten Existenz einzelner Völker begründet. Wir leben nicht mehr im faschistischen Wahnsinn und ohne ökonomische Not. Dennoch gibt es Tötung, Aussonderung und Gettoisierung.


Die Begründung, dass Leistungsgesellschaften, die unsere Kultur und unser Denken prägen, nur den für lebenswert erachten, der etwas leistet, lag und liegt nahe. So wurde auch sehr schnell versucht, die gesellschaftliche Aussonderung Behinderter damit zu erklären, dass der Behinderte in seiner Verwertbarkeit zur Steigerung des Bruttosozialproduktes nicht oder angeblich nicht tauge. Gerade linke Autoren und Autorinnen begnügen sich gern und schnell mit dieser These.


Auch Vertretern der Behindertenbewegung genügt zur Erklärung der Situation Behinderter der Zusammenhang zwischen Eingliederung in Arbeit und Lebensberechtigung. Gusti Steiner schreibt noch 1990: »Seit Beginn der Industrialisierung grenzt man die aus Gesellschaften aus - auch bei uns - die zur Last fallen, die ihre Arbeitskraft am Arbeitsmarkt nicht verkaufen können. Man grenzt sie aus, versucht sie an vorgegebene Normalitäten anzupassen - und wenn das nicht gelingt - ermordet man sie. « »Unsere soziale Eingliederung, also unsere Teilhabe an dieser Gesellschaft ist vom ökonomischen Interesse an unserer Arbeitskraft abhängig;..« (13) Mit Kapitalismuskritik kann man das Phänomen der Ausgrenzung Behinderter allein nicht fassen. Ausgrenzung gibt es nicht erst seit der Industrialisierung. Ausgrenzung endet auch nicht automatisch mit der beruflichen Eingliederung. Selbst der leistungsfähige Behinderte bleibt in wesentlichen Lebensbereichen ausgesondert und wird diskriminiert.


Die Politik des Rehabilitationswesens in Deutschland hält an der Überzeugung fest, dass der Zugang zur Arbeit nach wie vor der zentrale Hebel gegen Aussonderung bleibe. Die »Schwere« einer Behinderung wurde bis 1986 noch mit der vermuteten Einschränkung der Erwerbsfähigkeit ausgedrückt. Staatliche Finanzzuwendungen werden umso bereitwilliger zugestanden, je direkter sie an die berufliche Integration geknüpft sind. Die soziale Integration wird nur in ganz geringem Maße finanziell unterstützt. Doch selbst mit einer sehr hohen beruflichen Leistung, die viele Behinderte heute schon erbringen, sind sie von den typischen behinderungsbezogenen Diskriminierungen nicht befreit. Diese Leistung grenzt zwar die Diskriminierungen ein Stück weit ein, die die Betreffenden erfahren, beseitigt sie aber nicht. Da muss es wesentlichere Gründe für Aussonderungen und Diskriminierungen geben.






HEROS UND LEPROS




Bei den von mir Interviewten war die Gewissheit oder Ahnung, für immer gelähmt zu sein, regelmäßig mit der Angst verbunden, ausgestoßen, verlassen, nicht mehr akzeptiert und angenommen zu werden. Gelähmt zu sein beinhaltete bis vor wenigen Jahrzehnten in unserer Kultur die Sicherheit, im Elend leben zu müssen. Diese Erfahrung hat sich tief in die Seele unserer Kulturgemeinschaft, ins kollektive Unbewusste, eingegraben. Die Erfahrungen früherer Zeiten werden von Generation zu Generation weitergegeben. Die Konsequenz der Aussonderung von behindertem Leben hat sich so über Jahrhunderte quasi als »Naturgesetz« erhalten. Die Isolationserfahrung hat unsere Kultur geprägt und jeden einzelnen Menschen.


Kultur als wirkendes Wesen


Kultur definiert sich über die Gesamtheit der Taten, Emotionen und Ideen der Menschen, die einem bestimmten Lebensraum angehören. Aber sie ist doch mehr. Sie ist wie ein eigenständiger Organismus, der zwar verschiedene Entwicklungsstufen durchläuft, sie aber dennoch überdauert. Es ist sicher schwer, sich Kultur wie ein selbständig wirkendes Wesen vorzustellen. Ein Wesen, das uns bestimmt, auf das wir aber nur sehr eingeschränkt Einfluss haben. Doch wenn wir sagen, dass Kultur uns prägt, dann sehen wir sie handelnd. Wir personifizieren sie. Wenn wir sagen, die Gesellschaft, das System oder die Kultur »sei schuld«, dann denken wir sie ebenfalls als eine Person, die schuldig werden kann. Kultur ist ein Lebewesen. Es besteht nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Regeln, Werten, Idealen und Normen. Es ist ein Regelwerk, das es Menschen erleichtert, miteinander in Kontakt zu kommen, miteinander zu leben, sich zu verständigen und sich bewusst zu werden. Da der Mensch auf Gemeinschaft angewiesen ist, muss er sich Kultur aneignen. Jeder Mensch braucht dieses Regelwerk »Kultur«. Die Kultur wiederum braucht Menschen, um weiter bestehen zu können. Sozialisation oder Erziehung nennen wir den Prozess, in dem sich Kultur erhält. In der Erziehung drückt sich das Interesse einer kulturellen Gemeinschaft aus, weiter zu existieren. Eine Kulturgemeinschaft braucht den einzelnen Menschen, um ihre Werte, Regeln, Ideale und Normen in die nächste Generation fortzusetzen.


Eine Kulturgemeinschaft besteht zumeist aus verschiedenen Gesellschaften (Nationen). Die Gesellschaften stellen zur Erziehung bestimmte Bezugspersonen wie etwa Eltern, Lehrer oder Vorbilder bereit. Sie vermitteln dem heranwachsenden Menschen, was gut und was böse ist, oder präziser: die Normen, Regeln und Ideale, mit denen er sich in die Gemeinschaft einordnen, sich durchsetzen und zu Anerkennung, Genuss, Lust und Glück kommen kann. Erziehung an sich ist für den einzelnen Menschen eine Notwendigkeit. Schon der Säugling braucht in dieser Welt der geradezu unbegrenzten Möglichkeiten irgendetwas, woran er sich orientieren kann: einen Halt. Etwas, woran er sich ausbilden kann. So übernehmen wir kulturelles Erbe zunächst bereitwillig. Später haben wir keine Wahl mehr, es abzulehnen. Die Normen, Werte und Ideale werden schon sehr früh verinnerlicht.



Die Polarität von Achtung und Verachtung


Kultur hat die von Behinderten erlebte Verurteilung »Behindertsein = Elend-sein« und die Aussonderungserfahrung früherer Zeiten hartnäckig bis zu heutigen Vorurteilen erhalten und entwickelt. Behindertes Leben - so wird von Nichtbetroffenen angenommen - ist »natürlich« verbunden mit:

- Hilflosigkeit und umsorgt werden müssen,
- Unfreiheit,
- Unfähigkeit, irgendetwas zu machen, zu leisten,
- lästig und unnütz sein,
- Impotenz beziehungsweise sexuelle Störung oder Einschränkung,
- schwach und ausgeliefert sein,
- Unattraktivität und Hässlichkeit,
- abhängig und ausgeliefert sein,
- Lahmheit.


Isoliert, bemitleidet, ohne Teilhabe am Leben: so müssten Behinderte existieren. Das entspricht nicht der Realität beziehungsweise nicht den realen Lebensmöglichkeiten. Behinderte könnten heute genauso glücklich und unglücklich leben wie Nichtbehinderte. dass sie insgesamt isolierter und diskriminierter leben, ist kein Naturgesetz, sondern gesellschaftliche Reaktion. Eine Leben als Behinderter beinhaltet aber selbst unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen nicht nur Leiden, sondern auch viele glückliche Zeiten, Freude und Zufriedenheit. Jeder, der sich bemüht, behindertes Leben kennenzulernen, wird erkennen, dass die Gleichsetzung »Behinderung = Leiden« nicht stimmt. Dennoch hält sich diese Vorstellung als kulturelles Urteil. Dies erzeugt beispielsweise bei soeben verunglückten Querschnittgelähmten und ihren Familien tiefe Krisen, die über das angemessene Maß weit hinausgehen.


Die Aussagen Querschnittgelähmter eröffneten mir den Weg zum LEPROS. Er ist Symbol der niedrigsten Bewertung menschlichen Lebens in einer Kultur. Wo der LEPROS wirkt, befindet sich auch sein Gegenbild HEROS. Der HEROS symbolisiert die höchste Bewertung menschlichen Lebens. Das seelisch und damit gesellschaftlich wirkende Bild vom Leben Behinderter nenne ich LEPROS - angelehnt an die Bedeutung »Aussatz«, »der Ausgesetzte«. Die Bedeutung ist uns durch die Bezeichnung der Krankheit Lepra geläufig. Die Geschichte der Lepra-Kranken ist vor allem durch die Bibelübermittlung bekannt. Gesellschaftliche Isolierung, Aussatz oder Tötung waren aber Reaktionen auf alle Behinderungsarten. Natürlich wurde schon immer auf die ansteckenden Krankheiten, die zu Behinderungen führen, rigoroser reagiert - so rigoros wie auf die tödlichen Krankheiten.

Zur Veranschaulichung füge ich hier eine Grafik ein, die nachfolgend aber auch beschrieben wird.


LEPROS zu sein bedeutet, schwach, abhängig, leistungseingeschränkt bis -unfähig, impotent oder sexuell entartet, unsportlich und lahm, intellektuell eingeschränkt, unästhetisch, krank zu sein. Das Gegenbild ist stark, selbständig, potent in jeder Beziehung, athletisch, intelligent, gesund und ästhetisch. Dieses Halbgottideal, dieser HEROS, ist der Gegenpol zum LEPROS. Bekommt der HEROS die Anerkennung und Bewunderung der Gesellschaft, gebührt dem Gegenstück das Gegenteil. Behinderung wird als totale Entwertung gesehen. Behindert zu sein, wird als das Schlimmste betrachtet, was einem passieren kann. Dann besser gleich tot, wird geurteilt.


Der HEROS hat noch andere Qualitäten - etwa sein Verantwortungsbewusstsein -, die aber für den hier aufzuzeigenden Gedankengang nicht wesentlich sind. Wichtiger ist, dass er ein Mann ist. Die genannten Qualitäten bringen einen Supermann hervor, der alles kann und vor allem alles kriegt, was er sich wünscht. In der Zuspitzung unserer Comicphantasien kann er sogar fliegen. Nicht nur in der Phantasie der Kinder, auch in der der Phantasie der Erwachsenen ist der HEROS ein Mensch, der sich in jeder Hinsicht seine Wünsche erfüllen kann.




SCHWARZE MILCH


Sulamith, Sulamith, ich schau in dein Grab. Es ist blau und unfassbar. Es ist so unverschämt warm. Sulamith, meine Mutter hat goldenes Haar. Sie hat goldenes Haar. Gnadenlos ist das Grün. Schmetterlinge tanzen, wo einst die Schlangen spielten.


Steine, armselig zu Archiven gehauen. Margaretes Kinder, Sulamith, sie haben Schulausflug. Sie schämen sich, weil ihre Phantasie nicht ausreicht. Am Wegesrand stehen Papierkörbe. Sulamith, hörst du die Rüden, er pfeift sie herbei.


Sulamith, Sulamith, sie schwören, dass das nie wieder passiert, und kochen zum Tanze die schwarze Milch. Sulamith, sei unsere Göttin und hilf. Sonst wird es eng in deinem Grab, doch eng.


Sie nehmen uns das Leben, weil wir ihnen nicht gleichen. Du weißt. Noch immer bauen sie Ghettos. Du weißt. Ihre guten Absichten brennen uns unsere Seelen leer. Sulamith, die schwarze Milch, die schwarze Milch.


Sie ziehen uns nicht in den Dreck, das nicht. Sie sagen, sie achten uns. Ihre Geigen spielen sie uns zur Freude ohne Hohn. Doch sie lügen, sie lügen, sie fürchten uns.


Sulamith, herbei, sie ziehen schon wieder ihre Spritzen auf. Sie greifen zum Eisen im Gurt, und ihre Augen sind blau. Sie lassen uns sterben und töten uns dann - aus Gnade. Riechst Du das, Sulamith? Zyankali. Das brennt.


Nein, diesmal hoffen wir nicht nur. Die Hoffnung ist grün, aschen Dein Haar. Es darf nicht wieder zu spät sein, Sulamith. Oder wir folgen dir.


(SCHWARZE MILCH orientiert sich eng an dem Gedicht »Todesfuge« von Paul Celan)





DEM HEROS ENTGEGEN



Die skizzierte Verbindung von menschlichen Idealqualitäten gibt es vollständig so gut wie nie in der Realität. Sie ist kaum wirklich, aber sehr wirksam in unseren Köpfen. Wir alle, ob nichtbehindert oder behindert, sind fasziniert vom HEROS in unseren Köpfen. Bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen ja sogar bei jedem Menschen sieht er unterschiedlich aus. Nicht jeder steht auf Rambo. Aber bei allen individuellen Idealbildern sind die oben genannten Talente von hoher Anziehungskraft. Wir alle strampeln uns jeden Tag ab, unserem HEROS, unserem Idealbild vom Menschen nahezukommen. Jeder Mensch hat sich seine eigene Kombination geschaffen. Der persönliche HEROS ist etwa von dem Idealbild der Familie, von persönlichen, traumatischen Erfahrungen geprägt oder von physischen Voraussetzungen. Wie wichtig etwa »Sportlichkeit« ist, hängt sicher mit den eigenen Voraussetzungen zusammen. Wenn es an der einen Qualität hapert, kommt es eben zur Orientierung an anderen oder zu »Komplexen«. Wir alle jedenfalls streben danach, gesellschaftlich besonders geachtete Werte bei uns selbst auszubilden.


Im täglichen Bestreben, den Idealen näher zu kommen, stört das Wissen, dass wir nicht alles im Griff haben: Das bewusste und unbewusste Wissen, dass uns Dinge passieren können, die hinderlich sind. Es können uns Ereignisse treffen, die alles sinnlos zu machen scheinen. Der Tod zum Beispiel oder - eine Behinderung. Von einer Sekunde auf die andere könnte alles sinnlos werden. Wir könnten von unserem doch immerhin schon Erreichten aus zurückgeworfen, zum LEPROS werden. Das ist eine große Bedrohung. Sie wird bedrohlicher empfunden als der Tod. Viele Nichtbehinderte glauben, dass sie lieber tot als behindert wären. Viele unterschreiben sogar im voraus Sterbe-Verfügungen für den Fall einer so schweren Behinderung, dass sie sich nicht selbst töten können. Warum tun sie das? Ihr Wunsch, lieber tot als behindert zu sein, wird verständlich, wenn wir realisieren, dass Tod und Behinderung als völlig LUSTlose »Zustände« gewertet werden. Behinderung ist schlimmer, weil der Behinderte weiterhin Bedürfnisse hat, die als unerfüllbar angesehen werden. Befriedigung »erfährt« der Tote zwar auch nicht, aber auch keine Bedürfnisse mehr. Somit ist Totsein nicht leidvoll und angenehmer. Tod und Behinderung sind in der gesellschaftlichen und persönlichen Auseinandersetzung übrigens gleich stark tabuisiert.


Die Angst verdrängt


Behinderte werden ausgesondert, weil sie die Verletzlichkeit des eigenen Körpers und die Verletzlichkeit geschaffener Lebens-Werte bewusst machen. Der Verlust von Unversehrtheit wird aber gleichzeitig unter schwerste Strafe gestellt: Verachtung und Aussonderung. Die Achtung gilt dem HEROS. Das ganze Streben geht dahin, ihm nahe zu kommen. Ganze Industriezweige habe sich entwickelt, um uns bei dieser Ausbildung zur Seite zu stehen. Die einzelnen Werbeaktionen versprechen oder suggerieren uns, dass gerade ein bestimmtes Produkt geeignet ist, uns noch sportlicher, schöner, gesünder, klüger, potenter zu machen oder uns zumindest so erscheinen zu lassen. Je besser sie das schaffen, und je zentraler das Ideal für viele Menschen ist, das gereizt wird, umso besser ist die Wirkung. Doch Werbung macht die Ideale nicht, sie nutzt sie nur. Nutzt sie aus, bestätigt und verstärkt sie jedoch. Werbung nutzt etwa die Anerkennung von Schönheit und erkennt sie in ihrer Darstellung an. Die Achtung dem HEROS, die Verachtung dem LEPROS.


Die Angst, LEPROS zu werden oder zu sein, ist die Angst vor einem ausgesonderten Leben ohne Lust, die Angst vor gesellschaftlicher Entwertung und die Angst vor der letzten Sprosse der sozialen Wertehierarchie und der Ächtung, die Angst vor dem Aussatz.


Wenn die Psyche von einer bestimmten Vorstellung übermächtig bedroht wird, verdrängt sie sie. Um das so Beängstigende aus dem Bewusstsein fern zu halten, nimmt das Seelische nicht mehr wahr. Verdrängen und Aussonderung liegen so nahe beieinander wie die tatsächliche und die soziale Euthanasie.



DEM LEPROS ENTGEHEN


Die Verletzbarkeiten des eigenen Körpers und des eigenen Geistes mit all den beschriebenen Konsequenzen wirkt bedrohlich. Das erzeugt bewusste und unbewusste Vorbeugemaßnahmen und Vermeidungsstrategien - individuell und kollektiv. bewusst ist etwa das breite Band der gesundheitlichen Prävention von der Atemschutzmaske bis zur Verkehrsregel. Die unbewussten Vermeidungsstrategien sind für uns Behinderte zumeist gefährlicher. Wir versuchen auch mit unbewussten, oft irrationalen Mechanismen, uns vor Behinderung zu schützen. Wir versuchen, dem LEPROS zu entgehen. Wer schon zu den Behinderten gehört, ist davon auch nicht frei. Nur sind dann andere Vermeidungsformen nötig. Eine der bekanntesten Formen ist die so genannte »Behindertenhierarchie«. Ganz oben rangieren die Querschnittgelähmten: sie sehen noch halbwegs wie richtige Nichtbehinderte aus und befinden sich eben nur im Rollstuhl. Amputierte und Spastiker haben es da schon schwerer. Aber sie »haben ja wenigsten noch ihren Kopf«. Unter ihnen rangieren zum Beispiel noch die Geistigbehinderten, die als die eigentlich Bedauernswerten erscheinen. Die Geistigbehinderten wiederum sehen das ganz anders. Sie fühlen sich nicht behindert. Für sie ist der Bedauernswerte derjenige, der seine Körperfunktionen nicht mehr beisammen hat. Die Gehörlosen streiten eine Gemeinsamkeit mit anderen Behinderten grundsätzlich ab. Ließe mensch sie ihre Sprache sprechen, so wären sie nichts anderes als Engländer unter Deutschen oder Deutsche unter Franzosen usw. Behinderte versuchen sich aufzuwerten, auch indem sie andere abwerten. Das ist ein Versuch, dem LEPROS zu entgehen. Die soeben querschnittgelähmten Interviewpartner beschrieben mir immer wieder, wie wichtig es ihnen war, in den Rehabilitationszentren auf andere Querschnittgelähmte zu treffen, die es noch schlimmer getroffen hatte. Das half, das eigene Schicksal zu ertragen. Auch ich kann mich noch gut an diese Hilfe während meiner »Rehabilitations-Phase« erinnern.


Leichter Behinderte genießen die oben beschriebene Kluft zu den Schwerstbehinderten. Sie gehen ihnen aus dem Weg, wie sie selbst von Nichtbehinderten gemieden werden. Sie schaffen sich ihre kleine Welt mit Nichtbehinderten, die sie trainieren, ohne offene Diskriminierung mit ihnen umzugehen. Sie verdrängen ihre Behinderung, um irgendwann umso schmerzlicher mit ihr konfrontiert zu werden. Sie werden geduldet, integriert und sogar anerkannt, weil sie nicht gar soviel Angst machen. Weil sie normnah sind, einige der Pflichtideale erfüllen. Sie zeigen, dass man sogar als Behinderter noch Freude und Spaß erleben kann. Tauschen möchte niemand mit ihnen, und nur die wenigsten sind bereit, ihr Leben mit ihnen zu teilen.


Eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Emanzipation als behinderter Mensch ist es, unsere Nicht-Normalität zu akzeptieren. Noch immer setzen viele Behinderte der gesellschaftlichen Entwertung ein ebenso trotziges wie hilfloses »Ich-bin-normal« entgegen. Das Anormale wird »unterhalb« oder entfernt der eigenen auffälligen Abweichung definiert. Mit ungeheuerem Aufwand werden eigene Behinderungen zu kaschieren versucht. Nichtsichtbare chronische Erkrankungen werden angstvoll verschwiegen, um der Entwertung, dem LEPROS zu entgehen.



Kompensation


Oft wird die Kompensation der eigenen Idealabweichung durch die besondere Ausbildung anderer Ideale zu erreichen versucht. Eine spezielle Clique unter den Behinderten bilden von jeher die Cracks des Behindertensports. Ihre außergewöhnlichen Leistungen setzen sie von den »eigentlich Behinderten« ab. »Eigentlich nicht behindert« zu sein, heißt ja auch eigentlich normal zu sein. Im Jahre 1989 drohte der Verband der querschnittgelähmten Sportler jeden Wettkampf zu boykottieren, an dem auch Geistigbehinderte teilnehmen.


dass selbst diese besonderen Leistungen Diskriminierungen nicht verhindern, zeigt der regelmäßige Ausschluss des Behindertensports aus der normalen Sportberichterstattung. Über besondere Leistungen behinderter Sportlerinnen und Sportler wird seitens der Presse in der Regel im kommunalen Teil der Lokalredaktionen berichtet. Und selbst dann, wenn auf den Sportseiten der Zeitungen oder in den normalen Sportsendungen des Fernsehens von behinderten Sportlerinnen und Sportlern die Rede ist, wird ihre Leistung nicht als gleichbedeutend neben die Leistung Nichtbehinderter gestellt. Vielmehr wird sie als gelungene Überwindung der jeweiligen Behinderung gewertet.


Die meisten Behinderten betreiben Sport aus den gleichen Motiven wie Nichtbehinderte. Zum Krampf wird Sport nur, wenn tatsächlich versucht wird, herausragende Leistungen zur Bekämpfung der Behinderung, zur Distanzierung von anderen Behinderten und damit von sich selbst zu nutzen. Sport mit elitärem Gehabe ist nur ein Beispiel für Kompensation.


Distanzierung einzelner Gruppen Behinderter von anderen schadet nicht nur der politischen Durchsetzungskraft, sie verhindert auch regelmäßig eine Aussöhnung mit uns selbst.


Auch Behinderte versuchen also, den LEPROS wegzudefinieren oder wegzukompensieren, um der Diskriminierung zu entgehen. Wir Behinderten haben unsere speziellen Methoden. Wir sehen uns ja auch zu besonderen Anstrengungen gezwungen, tragen wir doch schon einige oder mehrere Merkmale des LEPROS. Wir sind stigmatisiert. Wir strampeln uns ab. noch Schlimmeres zu verhüten und im Idealfall die Stigmata ganz los zu werden.


Prävention


Nichtbehinderte brauchen nur zu verhüten. Aber auch ihre Methoden zeichnen sich oft durch besondere Phantasie aus. Die Menschen früherer Zeiten brachten materielle Opfer, um das böse Schicksal abzuwenden-. ein Lamm, Geld, manchmal den gesamten Besitz. Oder sie gestalteten ihr Leben nach dem vermuteten Willen des Schicksalslenkers und führten ein gottgefälliges Leben. Die Gunst Gottes sollte erlangt, Strafe vermieden werden. Auch heute noch wird zum selben Zweck geopfert. Es gibt nicht mehr die schaurigen Opferstätten. Aber Opfer-Rituale gibt es immer noch. Nicht nur im Einflussbereich der Kirche. Die »Aktion Sorgenkind« zum Beispiel ist eine moderne Institution des Opfermanagements. Sie hat Opferritual und Opferziel (Vermeidung) geradezu industriell perfekt organisiert. Man opfert, muss aber nicht mit den Empfängern in Kontakt kommen, die so verdrängt bleiben können. Dabei kann sich der Opfernde nicht nur ideell, sondern mit etwas Glück sogar finanziell bereichern. Die Opfernden spielen für »die gute Sache«. Manchmal werden gar große Volksfeste »zugunsten der Aktion Sorgenkind« organisiert. Oft - zu oft - sind Behinderte selbst bei diesen Feiern nicht dabei.


Opfergaben müssen nicht immer materieller Art sein, auch persönliche Aufopferungen haben und hatten oft die Aufgabe, das »Schicksal« günstig zu stimmen. Immer noch existiert der Glaube, ein schweres Schicksal sei Ausfluss eigener Schuld. Damit wäre der »gute Mensch« sicher. Nach dem Motto »Wenn ich mich um Behinderte kümmere, dann wird mich das selbst doch nicht treffen«.


Aber trotz aller versichernder Opfer und Wohltaten: so ganz ist das Bedrohliche nicht in den Griff zu bekommen. Es bleibt als letzter Ausweg die Verdrängung. Und alles, was die Verdrängung erschwert, wird ebenfalls verdrängt. Sogar die bereits Betroffenen. Als Behinderter rufe ich beim Nichtbehinderten stets Ahnung oder Gewissheit hervor, selbst einmal »erwischt« werden zu können. Das schafft Probleme und Unsicherheiten. Dem geht mensch aus dem Wege. Der individuelle Wunsch formt sich zum kollektiven Wunsch und bewirkt gesellschaftliche Abwehrmechanismen.


Den vorläufigen Höhepunkt kollektiver Abwehrmechanismen bildete der Nationalsozialismus in Deutschland aus. Seine faschistische Ideologie vergrößerte das Spannungsfeld zwischen HEROS und LEPROS - bildlich gesprochen - massiv. Der germanische Edelmensch wurde als Ideal propagiert. Die Veredlung eines ganzen Volkes wurde zum Ziel. Der HEROS war nicht nur unausgesprochen das Ziel. Die persönliche und gesellschaftliche Ausbildung hin zu den Idealen wurde Pflicht. Ebenso rigoros wurde versucht, den LEPROS auszusondern. Man verfiel der Illusion, er sei ganz und gar ausrottbar.


Schonung als Rechtfertigung


Der neuzeitliche demokratische Staat hat uns prinzipiell das Überleben gesichert, aber auch er ertrug uns nicht. Wie alle Störenfriede wurden wir ausgesondert. Das Sonderwesen der vornationalsozialistischen Gesellschaft für Behinderte wurde aufgegriffen und perfektioniert. Auch die Segregation ist ein Abwehrmechanismus. Dieser ist allerdings bei behinderten Menschen stark unter Rechtfertigungsdruck geraten. Auch andere Gruppen - etwa Straffällige - werden ausgesondert. Die Kasernierung von Kriminellen wird aber bis heute mit ihrer eigenen Schuld gerechtfertigt. Die Betroffenen seien für ihr Schicksal selbst verantwortlich. Die Zuweisung von Selbstverantwortlichkeit ist aber in unserer aufgeklärten Zeit bei Behinderten nur schwer möglich. Der Sieg der Wissenschaft über die Magie schränkte die Möglichkeit der Schuldzuweisung an die Betroffenen ein. Eine Rechtfertigung musste her, ohne das aussondernde System selbst in Frage zu stellen. Die Rechtfertigung gelang mit Hilfe von Eltern Behinderter selbst. Sie forderten und bekamen Sondereinrichtungen. Dabei wurde das bundesdeutsche System mit seiner besonderen Ausrichtung auf Konkurrenz akzeptiert. Weil Konkurrenz als selbstverständlich angesehen wurde, mussten die Benachteiligten gefördert werden und das in einem Schonraum. Bedauerlicherweise war das Minderwertigkeitsgefühl der Behinderten und der Eltern behinderter Kinder noch so ausgeprägt, dass sie eine vollständige Berücksichtigung ihrer Teilhabebedürfnisse nicht forderten. Sie begnügten sich mit gesellschaftlichen Nischen. Sie begnügten sich mit der Förderung im Schonraum von Sondereinrichtungen. Auch heute noch sperrt sich die bundesdeutsche Gesellschaft dagegen, ihre Prinzipien des Zusammenlebens zu verändern. Die Aufrechterhaltung der Aussonderung lässt sich der Staat viel Geld kosten. Aussonderung um jeden Preis. Nur wer sich auch als Behinderter den herrschenden Idealen und dem Konkurrenzpri

Falls Sie den Text weiterlesen wollen, wenden Sie sich an den Autor Lothar Sandfort

 

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Copyright © 2007 Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter
Stand: 13. Dezember 2009